Die Geschichte von Dr. Richard

Eine Erfolgsgeschichte über Generationen

Die Geschichte von Dr. Richard

Du möchtest etwas zum Hintergrund von Dr. Richard erfahren?

Hier findest du einen kurzen Überblick über die Geschichte von Dr. Richard!

Die Familie Richard

Die Betriebe der Familiengruppe Dr. Richard bilden heute eines der größten eigentümergeführten Busunternehmen Mitteleuropas. Diese beispielhafte Aufbauleistung ist dann nicht mehr so verwunderlich, wenn man sich die Familientradition vergegenwärtigt.

Die “Ente”

Dr. Ludwig Richard stammt aus einer alteingesessenen, engagierten Wiener Unternehmerfamilie. Das Gasthaus und spätere Hotel „Zur goldenen Ente” in Wien 1, Riemergasse 4 (Ecke Schulerstraße), spielte durch Jahrhunderte in der Familie Richard eine zentrale Rolle. Der Wiener Historiker Reisehi beispielsweise nannte die „Ente” das erste Gasthaus Wiens, das als Hotel zu bezeichnen war.

Geschichte machte es z.B. im Jahre 1848, als es Treffpunkt freiheitlicher Gesinnungsgenossen war, wobei der spätere Studentenführer Wenzel Messenhauser öfter als Gast in der „Ente” verkehrte. Freiherr von Vogelsang organisierte in der „Ente” ab 1888/89 einen Diskussionskreis für Sozialreformer, bekannt geworden als die „Entenabende”. Von hier aus formierte Vogelsang die „Christlichsoziale Bewegung”, aus der 1893 die „Christlichsoziale Partei” mit Karl Lueger entstand.

Die Familie Richard besaß neben der „Ente” im 19. Jahrhundert noch eine ganze Reihe weiterer Hotels, nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie, etwa in Triest oder in Budapest. Der Erste Welt krieg beendete diese jahrhundertelange Tradition: Carl Richard verkaufte 1917 aus Altersgründen das Haus in der Riemergasse, weil seine beiden Söhne zum Militärdienst eingezogen waren.

Dr. Ludwig Richard

KR Dkfm. Dr. Ludwig Richard, das einzige Enkelkind Carl Richards, wurde am 6. August 1915 in Korneuburg geboren. Dort besuchte er auch die Volksschule und maturierte 1933 nach Besuch des Gymnasiums in Laa a.d. Thaya . 1934 trat er als Angestellter bei den Vereinigten Eisfabriken ein und schrieb sich gleichzeitig als Werkstudent an der Hochschule für Welthandel in Wien ein. Diese verlieh ihm bereits am 26.04.1938 den Titel Diplomkaufmann.

Im Krieg wurde Dr. Richard mehrfach wegen Tapferkeit ausgezeichnet; letztlich erlitt er jedoch eine schwere Verwundung, sodass er aus dem Militärdienst ausscheiden musste. Daraufhin setzte er seine wissenschaftliche Tätigkeit fort und promovierte am 26. August 1943 zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften.

Im laufe der folgenden Jahrzehnte erhielt Dkfm. Dr. Ludwig Richard zahlreiche Auszeichnungen von Bund, Ländern und aus dem Ausland. Hervor gehoben sei seine Ernennung zum Kommerzialrat durch den Bundespräsidenten am 4. März 1987.

Dr. Carl Ludwig Richard

Der Sohn von KR Dkfm. Dr. Ludwig Richard, Herr KR Dkfm. Dr. Carl Ludwig Richard, wurde am 11. Juni 1941 in Augsburg geboren. Nach der Matura, die er in Wien ablegte, besuchte er die Hochschule für Welthandel, von der er 1964 den Titel Diplomkaufmann erhielt. 1968 promovierte auch er zum Doktor der Handelswissenschaften.

1967 absolvierte Herr Dkfm. Dr. Carl Ludwig Richard ein sechsmonatiges Praktikum bei der Hamburger Hochbahn AG, es folgte 1968 ein dreimonatiges Praktikum in den USA bei der Firma Greyhound. Bereits 1969 übernahm er die Geschäftsführung bei der Firma Austrobus Österreichische Autobusgesellschaft KG. Gleichzeitig wurde er Mitgesellschafter und 2. Geschäftsführer aller Dr. Richard- Unternehmen. Im Jahr 1998 wurde auch ihm der Titel Kommerzialrat verliehen.

Dr. Ludwig Richard, aktueller Geschäftsführer

Von dem Vorbild geprägt und unter der Anleitung der beiden ersten Generationen haben nun zwei der drei Söhne (Ludwig, Johannes und Alexander) als Vertreter der dritten Generation das Ruder der Dr. Richard-Gruppe übernommen: Dr. Ludwig Richard konnte als Teil des leitenden Managements, das unter der Leitung seines Großvaters KR Dkfm. Dr. Ludwig Richard stand, von diesem gleichsam aus erster Hand viel über die erfolgreiche Unternehmensführung in einem Familienbetrieb lernen.

Über die Jahre ist er so schrittweise unter der partnerschaftlichen Patronanz seines Vaters in viele Führungsaufgaben hineingewachsen. Seit dem Jahr 2005 leitet er als geschäftsführender Mitgesellschafter die Busbetriebe in alleiniger Verantwortung, was aber nicht bedeutet, dass wesentliche Unternehmensentscheidungen nicht auch weiterhin im Familienkreis diskutiert und gemeinsam getroffen werden.

Besonders im Sinne des Firmengründers KR Dkfm. Dr. Ludwig Richard, der seinem im Jahr 1977 erschienenen Buch über die Familiengeschichte den Satz voranstellte „Das Schwierige am Erfolg einer Familie ist die Schaffung der Voraussetzungen für seine Wiederholung in den folgenden Generationen” und seiner Nachfolger bleibt zu hoffen, dass sich auch einzelne Mitglieder der bereits existierenden vierten Generation für das Unternehmen begeistern und in diesem ihre berufliche Lebensaufgabe finden werden.

Von Linie 1 bis Linie 8

Das unternehmerische Wirken Dr. Ludwig Richards begann in einer äußerst schwierigen Zeit: Mitten im Zweiten Weltkrieg erwarb er am 01.10.1942 einen kleinen Lastentransportbetrieb auf dem Gaußplatz im 20. Wiener Bezirk. Dieses Unternehmen musste allerdings kriegsdienstliche Aufgaben erfüllen, sämtliche Lkw gingen bei Kriegsende verloren.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Wie so viele, musste auch Dr. Richard 1945 neu beginnen. Er erkannte aber bald, dass die Konkurrenz auf dem Lastentransportsektor enorm war, während der Personenverkehr praktisch brachlag. Daher baute er Lastwagen mit einfachsten Mitteln für die Personenbeförderung um, indem er auf der Ladefläche Sitzplätze installierte. Mit diesen Behelfsbussen eröffnete er am 17.03.1946 seine Linie 1: Jennersdorf im Burgenland – Wien. Die Grenzen der alliierten Besatzungszonen wurden mit einem Fahrbefehl der burgenländischen Landesregierung überwunden. Die Fahrt ging von Wien über den Wechsel nach Friedberg, weiter über Oberwart, Güssing und auf einer Straße, die kilometerlang gleichbedeutend mit der ungarischen Staatsgrenze war, nach Heiligenkreuz. Da die österreichische Brücke über die Raab zerstört war, stieg in Heiligenkreuz ein ungarischer Zollbeamter zu, und die Fahrt wurde über St. Gotthard bis nach Jennersdorf fortgesetzt.

Die Straßenverhältnisse waren unvorstellbar.

Krieg und jahrelange Verwahrlosung dieser Sandpisten machten es oft unmöglich, den Fahrplan einzuhalten. Dennoch war Linie 1 sehr erfolgreich. Sie existiert auch heute noch – nach Zusammenschluss mit anderen Verbindungen – als Linie G1; mit modernsten Bussen – derzeit fast ausschließlich Setra S 431 DT – eilt sie von einem Fahrgastrekord zum nächsten.

Während der Fuhrpark der Jahre 1947 bis 1950 aus etwa 10 umgebauten LKW bestanden hatte, konnte 1951 nach einigen gebrauchten endlich auch der erste fabriksneue Omnibus in Betrieb genommen werden, ein Gräf & Stift 120 FON. Es folgten Steyr 380 mit Perl-Auhof-Aufbauten für den Stadt- und Überlandverkehr. Die Busse waren beige lackiert und schon damals vorbildlich beschriftet. Der Schriftzug lautete bis in die 1970er Jahre „Dr. Richard Verkehrsbetrieb” und war auf beiden Seiten angebracht. Darunter stand die Betriebsnummer, die sich seit Ende der 1960er Jahre außerdem noch an allen vier Ecken des Fahrzeuges findet. Im laufe der 1950er Jahre wurde die Lackierung dann auf ein kräftiges Dunkelrot umgestellt.

Die Vergrößerung des Betriebs

Parallel zur Ausweitung bestehender und Einrichtung neuer Verkehre begann Dr. Richard bereits frühzeitig damit, sein Unternehmen durch den Ankauf kleinerer Busbetriebe zu vergrößern. So wurden einerseits Linienkonzessionen in Wien, aber auch im Wiener Umland erworben. Diese Strategie Dr. Richards, in Wiener Randbezirken Autobuslinien zu eröffnen bzw. kleinere Firmen zu übernehmen, war die Grundlage des großen Erfolges. Um auf wirtschaftliche Weise große Gebiete erschließen zu können, wurden oft Rundkurse gewählt, die auch heute noch existieren.

Als dann der Bedarf an der Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter zunahm, insbesondere auch im Zuge der Errichtung weiterer Stadtrandsiedlungen, hatte sich Dr. Richard bereits sehr viele dieser Gebiete linienkonzessionsmäßig gesichert.

Er hatte aber auch den Weitblick, für diese Stadtlinien geeignete Autobusse zu beschaffen.

Die großen Fahrzeugtypen, wie sie z. B. die Wiener Verkehrsbetriebe für ihre – vor allem innerstädtischen – Linien ankauften, waren für die Dr. Richard Linien ungeeignet. So traf es sich gut, dass die Firma Perl, die sich nach ihrem Standort im 14. Wiener Bezirk auch Perl-Auhof nannte, Fahrzeuge anbot, die für die damalige Zeit als äußerst modern bezeichnet werden müssen. Anfangs wurden auf Steyr 380 Fahrgestellen Aufbauten hergestellt, die groß zügig verglast waren. Diese Steyr / Perl 380 waren sehr kurz und wendig und eigneten sich daher ausgezeichnet für die engen Gassen der früher selbstständigen Dörfer und nunmehrigen Wiener Randbezirke wie Ober St. Veit und Ottakring oder für die Gartensiedlungen am Heuberg und Mitterberg.

In der Folge brachte Perl sogar eine ganze Palette selbsttragender Busse heraus, die nach Bestellerwunsch mit den Motoren verschiedener Produzenten ausgestattet werden konnten. Dr. Richard entschied sich regelmäßig für Steyr-Triebwerke. Die Fahrzeuge wurden nach ihrer Länge bzw. Sitzplatzanzahl bezeichnet, und so fanden sich bei Dr. Richard die Typen Perl St 42, St 48 und St 56. Sie waren als reine Reisewagen, in Überlandausführung oder als Stadtbusse erhältlich.

Letztere erscheinen selbst aus heutiger Sicht besonders fortschrittlich, waren doch die Türen fast zur Gänze verglast, wie erst heute wieder bei modernen Niederflurbussen. Um das Fassungsvermögen zu steigern, hatten diese Wagen Sitze in Längsanordnung; die Sitze waren noch nicht gepolstert; ein solcher Luxus war aber damals in Wien ohnehin unbekannt.

Der Umbruch

Glücklicherweise ist sowohl von den Steyr/Perl 380 Haubenbussen in Stadtausführung als auch von den selbsttragenden Perl St 42 je ein Wagen erhalten geblieben, beide zählen zum Bestand des österreichischen Omnibusmuseums (siehe Kapitel 15). Es handelt sich um die Dr. Richard Fahrzeuge Nr. 13 und 50.

Hatte sich die erste Garage im 20. Bezirk in der Wintergasse befunden, so war Dr. Richard sodann in die Heiligenstädter Straße im 19. Wiener Gemeindebezirk umgezogen. Nachdem auch diese Anlage nicht mehr ausreichte, kam es 1959 zur Übersiedelung auf die heutige Betriebsliegenschaft in 1200 Wien, Hartlgasse 63. Gleichzeitig wurde die WATAG, ein Taxiunternehmen mit ehemals 500 Konzessionen, gekauft. Diese Aktiengesellschaft war von Belgiern gegründet worden, im Krieg erfolgte eine Beschlagnahme als Feindvermögen.

Nach Kriegsende, ohne Fahrzeugpark, waren die Besitzer nicht gewillt, die AG weiter zu führen. Nachdem die Taxikonzessionen verkauft waren, blieb ein Betriebsgelände mit 6.700m2 Eigengrund und einer Halle von 3.000m2 zurück. Diese Räumlichkeiten, die beim Kauf am 02.01.1959 um etliche Nummern zu groß schienen, wurden jedoch alsbald gefüllt.

Die rasche Ausdehnung des Liniennetzes bedingte auch eine Ausweitung des Fuhrparks.

Dr. Richard begann daher ab Anfang der 196oer Jahre, günstige Gebrauchtbusse für den Linienbereich anzuschaffen, wobei er auch hier wiederum seine Strategie verfolgte, möglichst typenrein zu bleiben.

Seine Wahl fiel auf Mercedes-Benz O 321 H, es fanden sich aber die verschiedensten Ausführungen dieser Type im Fuhrpark. Für die Überlandlinien in das Burgenland beschaffte Dr. Richard jedoch auch Neuwagen dieser Type, die nicht nur im Linien-, sondern auch im Gelegenheitsverkehr eingesetzt wurden.

In den 196oer Jahren herrschte allgemein großer Personalmangel. So boten die Wiener Stadtwerke Verkehrsbetriebe den ortsansässigen Privatunternehmen an, etwa zehn Strecken im Auftrag zu befahren. Zunächst ging nur die Firma Dr. Richard auf dieses Angebot ein und übernahm 1966 die Linie 73 (heute 73A) Simmeringer Hauptstraße – Kaiserebersdorf; heute befährt Dr. Richard viele Verbindungen im Auftrag der Wiener Linien.

Der Aufschwung

Ein ganz wichtiges Datum für den ÖPNV in der österreichischen Hauptstadt war der 02.01.1967: Es trat ein Tarifgemeinschaftsvertrag in Kraft, welcher am 15.12.1966 zwischen den Wiener Verkehrsbetrieben und jenen privaten Busunternehmen geschlossen worden war, deren Linien ausschließlich auf Wiener Gebiet verliefen. Der Umstand, dass die Fahrgäste beim Umsteigen aus einem Verkehrsmittel der Wiener Stadtwerke-Verkehrsbetriebe in einen privaten Bus nicht mehr einen zweiten Fahrschein lösen mussten, brachte natürlich für diese Linien einen großen Aufschwung.

Angesichts der enormen Ausweitung der Verkehrsleistungen ab Ende der 1960er Jahre wurden kurzfristig Busse mit breiten, selbstschließenden Türen und einem großen Platzangebot benötigt. Hierfür waren die auch teilweise schon veralteten Mercedes-Benz O 321 H nur noch bedingt geeignet. So traf es sich sehr gut, dass die Hamburger Hochbahn AG zu dieser Zeit die Philosophie vertrat, über einen möglichst neuwertigen Wagenpark zu verfügen, um Reparaturkosten zu sparen.

Hamburger Busse standen oft schon nach vier- bis fünfjähriger Betriebsdauer zum Verkauf. Dr. Richard hatte daher die Möglichkeit, mit relativ geringen finanziellen Mitteln im Laufe einiger Jahre mehrere Serien voll gebrauchsfähiger Magirus Deutz Stadtbusse der Type Saturn II zu erwerben und dabei fast völlig typen rein zu bleiben.

Neben den Gebrauchtbussen wurden natürlich auch neue Fahrzeuge erworben.

So erweiterte man den Fuhrpark 1967 um acht fabriksneue Linienbusse: fünf stammten von Magirus-Deutz (150 S 11), drei weitere Neuzugänge waren Mercedes-Benz O 302-11 Stnh. Für diese Busse kam auch eine neue Lackierung zum Einsatz: Die moderneren Busse wurden analog dem Wiener Schema weiß-rot lackiert. Allerdings war das Weiß anfangs eher ein Beige, und das Dunkelrot wurde beibehalten. Diese Farben wurden erst später denen der Wiener Stadtwerke-Verkehrsbetriebe angeglichen (etwas heller).

Parallel zum ständig wachsenden Linienbetrieb -Linie 8 (Wien – Sopran – Bük) führte erstmals ins Ausland – wurden auch umfangreiche Werksverkehre für diverse Firmen sowie Gelegenheits- und Reiseverkehr durchgeführt. Hierfür beschaffte Dr. Richard einige Serien Mercedes -Benz O 302. Ab Mitte der 195oer Jahre stieg bei den Reisebüros die Nachfrage nach Autobusreisen – zunächst nur zaghaft.

Immer anspruchsvolleres Publikum ermutigte jedoch dazu, diesen Sektor auszuweiten und auch fernere Ziele auszuschreiben. Unterstützt wurden diese Bestrebungen durch den Ausbau des europäischen Straßennetzes, die Verbesserung der Hotelunterkünfte und die immer komfortableren Ausstattungen der Busse, letztlich mit Klimaanlage, Schlafsessel n, WC, Küche , Stereoanlag e und TV mit Videorekorder sowie technische Verbesserung durch Verstärkung der Motorleistung oder durch Thermoglasfenster. Parallel zum Aufbau des Omnibusbetriebes wurde auch ein namhaftes Reisebüronetz errichtet, welches 1969 mit dem Ankauf der renommierten Firma Austrobus gekrönt wurde.

Austrobus

Mit der Firma Austrobus Bus konnte Dr. Richard 1969 einen der bedeutendsten österreichischen Bus Touristikbetriebe erwerben, der bereits auf eine 80-jährige Tradition zurückblicken kann.

Austrobus wurde 1932 durch den Zusammenschluss von vier Wiener Rundfahrtenunternehmen gegründet und erhielt bereits 1936 das reicht, das österreichische Staatswappen zu führen. Ab 1937 wurden alle Wagen einheitlich blau gelb lackiert auf den Rund- und Fernfahrtenbussen War darüber hinaus der Bundesadler angebracht. Im Jahre 1938 besaß die Gesellschaft bereits eine Flotte von 42 Autobussen, was für die damalige Zeit eine sehr beachtliche Größe war.

Austrobus betrieb aber nicht nur das klassische Rundfahrten- und Ausflugsgewerbe, sondern auch mehrere Linien, vor allem im Westen Wiens. Diese erschlossen vornehmlich Ausflugsziele, somit waren sie letztlich auch wieder eher dem Tourismus- als dem Linienbereich zuzuordnen. Nach dem „Anschluss“ an Hitler-Deutschland im Jahre 1938 mussten sie allerdings an die deutsche Reichspost abgetreten werden.

Der Firmensitz war und ist bis heute an der Wiener Ringsstraße, schräg vis-a-vis der Universität. Das Reisebüro wurde von einem namhaften Architekturbüro entworfen und war äußerst modern. Auf der Liegenschaft in Wien 20, Klosterneuburger Straße 79, wurde eine neue Garage errichtet, die auch heute noch besteht.

Legendär war der Austrobus-Stadtplan, sodass das kartographische Institut an Austrobus herantrat, um auch einen Plan von Schönbrunn in gleicher Aufmachung heraus zu bringen. Da die Entwürfe den Beifall aller Interessierten fanden, kam es dann auch zur Produktion eines entsprechenden Schönbrunn-Planes.

Der neue Stammlieferant

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg begann der Kontakt zu dem Ulmer Traditionsunternehmen Kässbohrer, das später zum Stammlieferanten von Austrobus und in der Folge von Doktor Richard werden sollte. 1938 sprach Otto Kässbohrer, treibende Kraft des Omnibusbaus in dem Ulmer Familienunternehmen, im Namen seiner zahlreichen Verkaufsreisen auch bei Austrobus vor und unterbreitete äußerst günstige Offerten für fabriksneue Autobusse. Während in den Jahren zuvor regelmäßig zwei neue Wagen angeschafft worden waren, kam es nun zu einer Steigerung auf vier Bestellungen für das Jahr 1939.

Der Ausbruch des Krieges machte jedoch allen hochfliegenden Plänen ein rasches Ende. Sämtliche Fahrzeuge wurden zur Wehrmacht eingezogen, die Rundfahrtendienst kam zum Erliegen. Nach Kriegsende nahm Austrobus bereits in den frühen Maitagen des Jahres 1945 mit zwei aus dem Krieg geretteten Autobussen die Tätigkeit wieder auf. Das Reisebüro wurde vorerst notdürftig restauriert, der Wagenpark durch Behelfsomnibusse vergrößert. Rasch wurden wieder Fahrten in das In- und Ausland eingerichtet.

1955 erwarb einer der Austrobus -Gesellschafter die Firma Albus, das führende Autobusunternehmen Salzburgs. Austrobus und Albus legten fortan gemeinsame Prospekte auf, die Lackierung der Busse beider Unternehmen war in demselben Blau gehalten. Die gemeinsamen Aktivitäten wurden auch nach der Übernahme der Firma Austrobus durch Dr. Richard fortgeführt. Heute gehört Albus ebenso zur Firmengruppe Dr. Richards, doch davon kannst du hier mehr lesen.

Der Wagenpark spiegelte in den ersten Jahren der zweiten Republik die österreichische Omnibusproduktion wider. Es waren sowohl Gräf & Stift als auch Saurer und Steyr vertreten, wobei natürlich jeweils die luxuriösesten Ausführungen angeschafft wurden.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Während des “Anschlusses” an Deutschland erhielten erste Chassis der bekannten Fabrikate ihre Aufbauten bei Karossiers aus dem deutschen Stammland. In den 1950er Jahren begann man dann auch, moderne und besonders komfortabel ausgestattete Fahrzeuge aus Deutschland zu importieren. So fanden sich in der Omnibusflotte Magirus-Deutz 0 3500 H mit Ottenbacher-Aufbauten und dann vor allem Setra; damit knüpfte man an die bereits vor dem Krieg bestehenden Kontakte zu Otto Kässbohrer an.

Ab Beginn der 1960er kann die Ulmer Firma Käsabohrer mit ihrer Marke Setra als der Hauslieferant an Austrobus und sodann Dr Richert bezeichnet werden, und das ist auch heute noch so. Im Fuhrpark von Austrobus befindet sich eine ganz besondere Rarität, welche seit der Übernahme durch Doktor Richard auch in dessen Omnibusbestand eine Besonderheit darstellt: Einer der beiden einzigen je gebauten Setra Panorama-Stufenhochdecker. Wären das zweite Fahrzeug heute in Setra Museum in Ulm aufbewahrt wird, wird der Austrobus-Wagen noch immer in Wien eingesetzt allerdings sehr selten, um ihn zu schonen.

Austrobus wird Teil von Dr. Richard

Mit dem 1.1.1969 erwarb Doktor Richard Austrobus. Die Geschäftsführung übernahm Herr Doktor Carl Ludwig Richard, der Sohn des Firmengründers. Zu diesem Stichtag verfügte Austrobus über 25 Autobusse, den Firmensitz Dr.-Karl-Lueger-Ring 8, Ein Büro in der Opernpassage und die Garage in der Klosterneuburger Straße 79. In der Folge kam es zu einem NeuAufschwung, Und es konnte zum Beispiel die führende Rolle im Stadtrundfahrtengewerbe wiedererlangt werden, die zwischenzeitlich kurzfristig verloren gegangen war.

Die Firma Austrobus ist fast jedem Ost-Österreicher ein Begriff. Sogar in die Literatur fand das Unternehmen Eingang, die berühmte österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann hat eine Rundfahrt mit Austrobus in ihrer Erzählung „Besichtigung einer alten Stadt“ beschrieben.

Im Februar 1972 wurde von Austrobus gemeinsam mit anderen Partnern das Stadtrundfahrtenunternehmen wie Vienna Sightseeing Tours gegründet, bei dem Austrobus der führende Gesellschafter war und bis heute ist.

Hatte Doktor Richard anfangs die blaue Lackierung der Busse beibehalten, so kann ich später doch zu einer Angleichung an die Doktor Farbgebung. Die Austrobusfahrzeuge sind heute nur noch durch ihre Aufschrift als solche erkennbar, im Übrigen gleichen Sie dem sonstigen Doktor Richard Wagenpark. Sie sind nun vor allem für Großkunden im Einsatz, werden Doktor Richard Reisebusse vor allem für Einzelkunden unterwegs sind.

Kolda

Nur wenige Monate nach der Akquisition von Austrobus konnte Dr. Richard 1969 einen weiteren renommierten Betrieb erwerben: die Firma Kolda in Kierling, das älteste private Omnibusunternehmen Österreichs. Wladimir Kolda hatte das erste private Autobusunternehmen der K.u.K. Monarchie Österreich-Ungarn im Jahre 1911 gegründet. Kolda, ein gebürtiger Ottakringer, Sohn eines Apothekers, war lange Jahre auch Bürgermeister von Kierling in Niederösterreich. Er ist heute noch als großer Wohltäter der Gemeinde in Erinnerung.

Dr. Richard übernahm Kolda am 01.04.1969. Die Farbgebung der Kolda-Fahrzeuge war ähnlich der Dr. Richards, allerdings wurde analog zu den Wiener Verkehrsbetrieben ein helles Rot verwendet. Mit wenigen Ausnahmen kam es jedoch zu keinen Umlackierungen, da es das Ziel war, die Busse möglichst bald auszuwechseln.  Die von Kolda befahrenen Strecken erhielten im Dr. Richard Liniennummernschema die Bezeichnungen 9 und 10.

Durch die Übernahme von Kolda kamen auch zum ersten und einzigen Mal Personenanhänger in den Dr. Richard Fuhrpark. Eine weitere Besonderheit war der Einsatz von Schaffnern. Für Motor- und Beiwagen war allerdings nur ein Schaffner im Einsatz, der nach dem Verkauf der Fahrscheine im Zugfahrzeug an der nächsten Haltestelle in den Anhänger wechselte und dort seine Pflicht tat.

Kolda wird Teil von Dr. Richard

In den ersten Jahren nach der Übernahme wurden die Fahrzeuge mit “Dr. Richard” beschriftet, doch bereits Ende der 197oer Jahre ging Dr. Richard wieder dazu über, den ursprünglichen Firmennamen Kolda an den Bussen anzuschreiben. Heute erscheint auf den in Klosterneuburg stationierten Bussen ausschließlich der Name Kolda, die Zugehörigkeit zu der Gruppe Dr. Richards wird durch das Logo und die Lackierungsform offenbart.

Dr. Richard war bemüht, den Fuhrpark Koldas immer möglichst einheitlich zu gestalten. So kamen ab den 198oer Jahren Wagen der Type Setra S 140 ES zum Einsatz, diese wurden durch Setra S 215 Ul ersetzt.

Wenige Jahre später begann Dr. Richard auch bei Kolda die Umstellung auf Niederflurfahrzeuge – analog den Wiener Stadtbussen – mit MAN-Erzeugnissen: Auf eine Serie MAN NL 222 im Dr. Richard Design folgten modernere Niederflurwagen, wiederum von MAN, allerdings im Outfit des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR).

Im Jahr 2011 konnte die Firma Kolda dann als erstes privates Autobusunternehmen Österreichs ihren hundertsten Geburtstag feiern. Natürlich wurde das Jubiläum im Stift Klosterneuburg in gebührendem Rahmen begangen. Bei dieser Gelegenheit konnte auch die neueste Serie an Niederflurbussen präsentiert werden, nunmehr wieder von Setra, nämlich modernste Setra S 415 NF im neuen Dr. Richard Überlandliniendesign. Mit diesen 17 fahrgast- und umweltfreundlichen Bussen kann Dr. Richard bei seinem Tochterunternehmen Kolda absolute Spitzenqualität im öffentlichen Verkehr im Nordwesten Wiens bieten, aber auch bis weit in den Wienerwald und ins Tullner Becken bis nach Tulln.

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Die Geschichte von Dr. Richard geht weiter! Lese mehr über die weiteren Betriebe von Dr. Richard: Südburg, Watzke, Albus, Kowatsch, Albus München und Albus Zürich!

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