Erster Bus aus China startet noch im Jänner

SN

Bei Albus Salzburg laufen derzeit die letzten Vorbereitungen für die Inbetriebnahme von 34 neuen E-Bussen aus chinesischer Produktion.

Salzburg. Am Betriebshof der Firma Albus in Salzburg-Taxham herrscht dieser Tage Ausnahmezustand. Der Grund dafür hängt an einer der unzähligen Ladesäulen am Rand der weitläufigen Fahrzeughalle, ist zwölf Meter lang und stammt aus der knapp 8000 Kilometer entfernten Stadt Zhengzhou. Es ist der erste von insgesamt 34 fabrikneuen Elektro-Niederflurbussen des chinesischen Herstellers Yutong, die in den kommenden Wochen ihren Dienst im Linienverkehr in und um die Landeshauptstadt aufnehmen werden.

Geht es nach Albus-Salzburg-Geschäftsführer Hermann Häckl soll der erste batterieelektrische Bus neuen Typs bereits Ende Jänner auf der Linie 21 zwischen Fürstenbrunn und Bergheim in den Regelbetrieb starten. Und verläuft bei der Umstellung alles nach Plan, so könnte die nächste wichtige Etappe auf den Weg zur vollständigen Elektrifizierung der 80 Linienbusse umfassenden Flotte bereits Ende Februar geschaffen sein. Spätestens im Jahr 2028 soll dann der letzte dieselbetriebene Niederflurbus ausgemustert werden.

Zur Erinnerung: Keine drei Jahre sind vergangen, seit man bei der Salzburger Tochtergesellschaft der Dr. Richard-Gruppe mit Sitz in Wien den ersten vollelektrischen Stadtbus angeschafft hat. Was damals als Testlauf begann, wird mittlerweile als österreichisches Leuchtturmprojekt gefeiert, das zuletzt auch mit dem Mobilitätspreis des Verkehrsclubs Österreich ausgezeichnet wurde. Keine andere Stadt ist bei der Umstellung auf lokalemissionsfreie Linienbusse so weit wie Salzburg. Dass die Wahl dabei auf Fahrzeuge eines Herstellers aus Fernost fiel, hat auch mit den massiven Preissteigerungen etablierter europäischer Fabrikanten zu tun, wie Hermann Häckl bestätigt. „Neben den Kosten waren es aber vor allem die hohen Qualitätsstandards, die deutlich kürzeren Lieferzeiten und nicht zuletzt die deutlich bessere Energieeffizienz, die den Ausschlag für den Weltmarktführer Yutong gaben“, hält Hermann Häckl fest. Zudem kommt mehr als die Hälfte der Fahrzeugkomponenten, darunter die Achsen, die Bremsen oder E-Motor, von europäischen Zulieferbetrieben. Mithilfe eines Beratungsunternehmens wurde der Markt nach den passenden Fahrzeugen sondiert, als Grundlage diente ein bei Albus erstellter, 74-seitiger Anforderungskatalog. „Wir haben im Vorfeld auch Verkehrsbetriebe im Ausland besucht, wo diese Fahrzeuge bereits länger im Einsatz sind, etwa in Mestre in Italien oder in Oslo, dort sind Reichweiten von über 400 Kilometern die Regel“, so Häckl. Damit wären die chinesischen Busse bis zu 20 Prozent sparsamer als Fahrzeuge europäischer Hersteller, von denen Albus bereits 15 Stück im Einsatz hat. Tatsächlich absolvierte der erste Yutong-Bus die Überstellungsfahrt von Wien nach Salzburg über 320 Kilometer mit einer Restkapazität von 24 Kilometern.

Zuletzt hatte Yutong aber vor allem für negative Schlagzeilen gesorgt: In Norwegen, aber auch in Dänemark und in Großbritannien war festgestellt worden, dass der chinesische Hersteller für Software-Updates und Problemdiagnosen Einfluss auf die digitalen Steuersysteme der Busse nehmen könnte – ein potenzielles Sicherheitsrisiko im besonders sensiblen Bereich der öffentlichen Infrastruktur.

Häckl: „Wir nehmen diese Bedenken natürlich ernst. Auf unsere Anfrage bekamen wir von den Chinesen binnen weniger Stunden eine schriftliche Garantie, dass die Busse den EU-Normen im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen entsprechen. “ Seitens des Herstellers betont man, dass für Updates die ausdrückliche Zustimmung des jeweiligen Betreibers notwendig sei.