Einen 18-Meter-Gelenkbus durch die engen Gassen der Salzburger Altstadt zu manövrieren und dabei Hunderte Passagiere sicher an ihr Ziel zu bringen – wie viel Fingerspitzengefühl das braucht und warum das Klausentor in der Stadt Salzburg als „Matura der Busfahrer“ gilt, haben wir im S24-Selbstversuch am Salzburgring herausgefunden.
Koppl. Während rundherum auf der Rennstrecke des Salzburgrings in Koppl (Flachau) Sportwagen ihre lautstarken Runden ziehen, fühle ich mich im 18-Meter-Bus zumindest vom Adrenalin her wohl recht ähnlich. Auch wenn ich mit maximal 20 km/h doch eher gemächlich unterwegs bin. Beim dritten Lenker-Qualifying von Albus Salzburg durfte ich mich am Freitag selbst ans Steuer dieses Riesen setzen. Nach 18 Jahren Führerschein ist dieses Fahrerlebnis jedoch ganz etwas Neues für mich. War ich die letzten Jahre meist mit der Familienkombi unterwegs, so ist der Albus eine ganz andere Hausnummer: 18 Meter lang, in der Mitte ein Gelenk und Platz für über 100 Fahrgäste.
Ein Hütchen muss dran glauben
Asir Tilki, seit neun Jahren Busfahrer, leitet mich durch die erste Runde. Zuerst heißt es: Sitz einstellen, Spiegel justieren. Dann erklärt mir der Profi das Cockpit: Handbremse, Haltestellen-Modus und Türöffner. Dann geht es los. Die erste Kurve gelingt noch ganz gut, bald zeigt sich die Tücke der 18 Meter. Ein kleines oranges Hütchen muss dran glauben – ich nehme es mit allen Rädern mit. Das Problem: Da man als Fahrerin vor der Vorderachse sitzt, muss man Kurven wesentlich weiter ausfahren, um mit dem Heck nicht über den Randstein (oder eben das Hütchen) zu brettern. Bei der fiktiven Haltestelle gelingt das sanfte Stehenbleiben immerhin so, dass kein Passagier verletzt worden wäre, versichert Busfahrer Tilki mit einem Schmunzeln.
Von der Angst zum Fahrspaß
Insgesamt nehmen über 50 Bewerberinnen und Bewerber am Lenker-Qualifying am Salzburgring teil. Fatime und Meri sind zwei der wenigen Frauen im Teilnehmerfeld. Fatime hat ihre Testrunde bereits souverän ohne umgefahrenes Hütchen absolviert. „Am Anfang ist schon ein bisschen Angst vor Neuem, aber dann, ich weiß nicht, nach ein paar Minuten war die Angst schon weg“, erzählt sie begeistert. Sie kann sich gut vorstellen, eine Bewerbung bei Albus abzugeben und künftig selbst im Stadtverkehr am Steuer zu sitzen.
„Rückwärtsfahren ist die wahre Herausforderung“
Für Hermann Häckl, Geschäftsführer von Albus Salzburg, ist das Event ein voller Erfolg, wie er im SALZBURG24-Gespräch schildert. Es ist bereits das dritte Qualifying dieser Art. Der Weg zum neuen Personal scheint zu funktionieren: Über diesen niederschwelligen Einstieg konnten bereits 40 neue Mitarbeiter gewonnen werden.
Häckl betont, dass der Einstieg für Quereinsteiger einfach ist: „Im Endeffekt braucht man nur den Führerschein B und man muss 21 Jahre alt sein.“ Die Ausbildung umfasst neben dem D-Führerschein auch die D95-Qualifikation sowie interne Schulungen. Doch Häckl warnt auch vor den Tücken: „Schwieriger wird’s, wenn du mit so einem Auto rückwärts fahren musst, weil da musst du natürlich dann richtig lenken, damit das da hinten das Richtige macht.“
Klausentor: „Bist du deppert, das ist Wahnsinn!“
Sitzen die Basics, steht den Neulingen in der Stadt Salzburg noch die „Matura der Busfahrer“ bevor. Das Klausentor zwischen Ursulinenplatz und Müllner Hauptstraße in der Altstadt gilt als die psychologische und technische Reifeprüfung schlechthin. „Das ist Weltkulturerbe und steht unter Denkmalschutz. Und du hast halt da nur mehr fünf, sechs Zentimeter links und rechts Platz“, erklärt Häckl. „Wenn man das erste Mal durchs Klausentor durchfährt, denkt jeder: ,Bist du deppert, das ist ja Wahnsinn, das gibt’s ja gar nicht, dass da der Bus durchfährt. ‚ “
Ob ich nach meinem Ausflug auf den Salzburgring bereit für das Klausentor wäre? Wohl kaum. Mein Fazit nach dem Selbstversuch: Der Respekt vor der Leistung der Lenker:innen, die diese Riesen täglich durch die Stadt dirigieren, ist definitiv gewachsen – auch wenn bei mir am Ende ein Hütchen auf der Strecke blieb.
Quelle: Salzburg24.at, Autorin: Michaela Posch, 27.04.2026
